UNI Post & Logistics - global union

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28.07.2008: Aufsatz zum Postmindestlohn

Postmindestlohn vernichtet Arbeitsplätze - und morgen gibt es ein neues Märchen!

Von Rolf Büttner, Präsident UNI Post & Logistics
Der von der deutschen UNI–Mitgliedsorganisation ver.di in Deutschland durchgesetzte Postmindestlohn vernichtet Arbeitsplätze. Das behauptet Florian Gerster, Präsident des deutschen Arbeitgeberverbandes NBZ. Presse, Politiker, Wissenschaftler schreiben das ab. Die Presse war und ist größtenteils Partei in dieser Auseinandersetzung. Politiker, denen die ganze Richtung nicht passt wiederholen gebetsmühlenartig die Parolen. Die einschlägige Wissenschaft skandiert, allerdings immer mit dem Zusatz "kann oder könnte" Arbeitsplätze vernichten. Um einen Beweis geht es ja nicht. Es soll Stimmung für ein Lohndumpingkartell gemacht werden. Es geht um Profite u. a. für milliardenschwere Konzerne. Da sind angemessene Löhne nur im Wege.

Bis in die USA an die Universitäten gelangt die Botschaft. Dort werden in Ausarbeitungen dann die Presseartikel zitiert, die zuvor lanciert wurden. In Gutachten kommen sie so zurück nach Europa. Dort werden sie von den einschlägigen EU- Kommissaren aufgegriffen und als Beleg angeführt, dass sogar Untersuchungen in Amerika belegen: Der Postmindestlohn in Deutschland gefährdet Arbeitsplätze. Durch ständige Wiederholung soll Wahrheit produziert werden. Fakten werden unkritisch übernommen.

So erklärt Florian Gerster in Deutschland frech am 07. November 2007, dass durch den Postmindestlohn auf einen Schlag 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen: "Wir haben das sehr sorgfältig nach innen geprüft." Am 06. April 2008 erklärt Gerster in seiner Verbandspressemitteilung 5000 Arbeitsplätze sind durch den Postmindestlohn weg. Am 19.06.2008 sind es bei ihm schon 6000. Dabei handelt es sich vorwiegend um Arbeitsplätze die der PIN-Group zuzuordnen sind. So seine letzte Verbandsmitteilung.

Nicht der Postmindestlohn, sondern gierige und unfähige Manager vernichten Arbeitsplätze.

Der "Stern" (29/2008) schreibt: "Wie die Geschichte wirklich war, kommt jetzt langsam heraus. Es war weniger der Mindestlohn, es waren vor allem hausgemachte Gründe, die zum Scheitern des Postprojektes (PIN-Group, der Verfasser) führten." Weiter lesen wir: "Der staatliche Mindestlohn dient dem Springerkonzern bis heute als Erklärung für das Pleiteengagement bei PIN.
Bereits am 10. September 2007 wurde auf einer PIN-Verwaltungsrats-Sitzung über die schlechte Geschäftentwicklung beraten. Grund für das Abrutschen in die roten Zahlen: das Geschäft mit Großkunden läuft schleppend. Regionale Postfirmen wurden ohne Rücksicht auf Verluste zusammengekauft. Auf der Verwaltungsrats-Sitzung am 12. November 2007 wird die Lage als dramatisch bezeichnet, die Briefauslieferung klappt nicht, der Vertrieb ist eine einzige "Großbaustelle". Durch Umschuldungen und Ablösezahlungen fehlen 320 Millionen. Das alles geschah als der Postmindestlohn noch in weiter Ferne war.
Scheibchenweise kommt die Wahrheit ans Licht: Überteuerte Zukäufe, verschlafene Integrationsanstrengungen, Insolvenzverwalter Horst Piepenbrock: "Der Optimierungsbedarf springt einen förmlich an" (SZ, 09.01.2008).

Jürgen Richter, Ex- Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags:
"Es sind enorme Fehler gemacht worden, weil man die PIN-Anteile von den Regionalzeitungsverlagen viel zu teuer gekauft hat, um die Mehrheit der PIN AG zu erlangen. (...) Die Diskussion um den Mindestlohn ist doch nur der Vorwand für eine rasche Revision der falschen Entscheidung gewesen." (FAZ, 12.06.2008) Weiter führt er im ARD Magazin Report am 10.12.2007 aus:
"Es gefällt mir nicht, dass man hier versucht, Managementfehler, die in der Vergangenheit, in den letzten Jahren passiert sind, auf die Politik abzuwälzen. (...) Man sollte eingestehen, dass man hier bei der Beurteilung des Marktes und der Zukunftschancen Fehler gemacht hat."

Die Financial Times meint am 26.06.2008: "Das Debakel hat sich bereits bei der Personalauswahl angekündigt: "Im Herbst wird Logistikmanager Günter Thiel mit dem Aufbau von PIN betraut." In den Medien wird Thiel als Star hochgejubelt, kritisches Nachfragen gab es nicht. Kein Wunder, die Verleger waren ja Partei. Dabei hat er mit der gleichen Missmanagement- Methode schon bei Thiel-Logistik operiert. Rechtzeitig alles verkauft und Quandt auf einer Riesen-Baustelle sitzen lassen. Bei Springer-Döpfner wiederholt sich das Spiel. Am Ende verlässt Thiel rechtzeitig, um Millionen Euro reicher das sinkende Schiff. Die Zeitungsverlage bleiben auf den Verlusten sitzen. Darüber, dass sie über den Tisch gezogen wurden, mögen sie keine Zeile schreiben lassen. Schweigen im Blätterwald.

Der Döpfner–Dreisatz

Schlechter Service, Zustellnetz löchrig, Synergien nicht ausgeschöpft, Vertrieb nicht optimiert, Aufsicht ungenügend ausgeübt, tiefrote Zahlen, Insolvenz, Arbeitsplatzabbau. Damit nicht über gierige, unfähige Manager diskutiert wird, muss ein Schuldiger her. Die Gewerkschaft und der Postmindestlohn. Doch jetzt kommt es noch besser.
Der Döpfner-Dreisatz:
  • Managementversagen führt zu Rekordverlust
  • Rekordverlust führt zu Rekord-Dividende
  • Rekordverlust führt zu Supergehaltserhöhung des Vorstandsvorsitzenden wird erfunden.
Für die Mitarbeiter der PIN Group bleibt Hartz IV, oder sie können sich weiter mit Arbeitslosengeld II über Wasser halten. Ihre Chefs kaufen sich derweil eine Gewerkschaft. Das Schicksal der hart arbeitenden Briefzusteller wird zur Agitation gegen eine gerechte Mindestlohnbezahlung missbraucht. Über diesen Skandal schweigt das Land. Wie gesagt: Pressefreiheit ist die Freiheit, die Meinung der Verleger und ihrer Hilfstruppen zur Geltung zu bringen.



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