UNI Post & Logistics - global union

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Präsident der UNI Post & Logistics - global union

Leserbrief, 21.12.2007

PIN-Group-Chef Thiel: Auf die Pressefreiheit fällt ein Schatten/Schaumschlägerpreis 2007

Schaumschläger. So beschreibt die Börsenzeitung am 13.12.07 Günter Thiel, den Ex-Pin Chef. Wir erinnern uns:

Die Thiel Logistik wurde im Jahr 2000 gegründet. Als Aktiengesellschaft in den Neuen Markt geführt. Zusammengekauft wurde auf Teufel komm raus. Als der Laden nicht lief wurde das Unternehmen verkauft. Die Nachfolger mussten sanieren. Die Arbeitnehmer waren die Leidtragenden. Thiel ging mit Millionen in der Tasche davon.

Bei der PIN Group wiederholte sich das Spiel. Zusammengekauft, keine vernünftige Organisation. Ein Geschäftsmodell das nicht funktioniert. Als intern klar war, dass der Laden nicht läuft, mit Gewinn dem Springer-Verlag einen maroden Laden angedreht. Jetzt ein übler Sanierungsfall. Die Arbeitnehmer sind die Leidtragenden. Er geht wieder mit Millionen in der Tasche davon.

Die Presse hat Thiel gefeiert – ohne kritisch hinter die Kulissen zu gucken:
  • Die Nr. 2 nach der Post AG wollte er werden
  • Einen flächendeckenden Universaldienst wollte er anbieten. Zustellung und Annahmestellen bis ins kleinste Dorf in Deutschland.
  • Das Postnetz sollte schon bald nach Österreich und Osteuropa ausgedehnt werden.
Was ist aus allem geworden? Pustekuchen! Heute liest man: 50 bis 80 Mio. Euro Verluste sollen aufgelaufen sein. Da fragt sich der geneigte Zeitungsleser, der die Schlagzeilen von gestern nicht vergessen hat: Wie solide waren das Management und deren Aufpasser eigentlich unterwegs?

Als alles platzte ging die Thiel-Schow weiter. Jede Schlagzeile wurde willfährig gedruckt. Niemand von der Presse hat kritisch nachgefragt:
  • Die Sparkassen stehen als Investoren bereit, das marode Geschäftsmodell zu finanzieren. Das Dementi der Sparkassen folgte schnell.
  • Als Retter der 9000 Arbeitsplätze wollte er sich feiern lassen – Überrascht liest man heute dass er seinen eigenen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen ist.
  • Gegen den Postmindestlohn ist er u. a. mit unwahren Behauptungen zu Felde gezogen, so dass Ver.di Ihn mit einstweiligen Verfügungen stoppen musste. Als die Gefahr eines Meineids für ihn bestand, wurde schnell eine Klage zurückgezogen. Immer neue Vorschläge zum Mindestlohn wurden von Ihm ins Spiel gebracht. 7,50 Euro, 8 Euro für die Zusteller. Zum Schluss auch 9,80 Euro mit Stufenplan. Dann hat der von Ihm gegründete Arbeitgeberverband mit der von Ihm gegründeten Gewerkschaft noch schnell 7,50 Euro abgeschlossen. In der sog. Gewerkschaft sitzen u. a. seine Gefolgsleute aus der Personalabteilung. Das stinkt kräftig.
  • Angekündigt wurde, dass die EU-Kommissare und das Bundeskartellamt auf seiner Seite um den Postmindestlohn zu verhindern. Was blieb: Dementis und Schiffbruch auf ganzer Linie.
Doch eine Frage stellt sich: Warum wurde sein unseriöses, dubioses Geschäftsmodell des Lohn- und Sozialdumpings, warum wurden die Schaumschläger-Schlagzeilen in der Presse willfährig abgedruckt?

Einblick und Erleuchtung geben die Verhandlungen Springer/Thiel aus den letzten Tagen. Die Börsenzeitung berichtet am 19.12.2007, dass bei Übernahme durch Thiel eine „Wohlverhaltensklausel“ abgeschlossen werden sollte. Also die Medien sollten weiter Hofberichterstattung betreiben. Damit sollte das fortgesetzt werden, was schon seit Wochen praktiziert wurde.

Die ganze Medienauseinandersetzung um den Postmindestlohn erscheint jetzt in einem neuen Licht: Es ging gar nicht um den Postmindestlohn. Es ging um Tricksen, Täuschen, Reibach machen, mit einem obskuren Geschäftsmodell. Und die Presse wird in diese Medienkampagne eingespannt. Auf die Pressefreiheit in Deutschland fällt ein Schatten.

Herr Thiel hat sein Schäfchen ins Trockene gebracht. Er kann Weihnachten sagen: Ich bin in diesem Jahr wieder um ein paar Millionen reicher geworden. Verlierer sind die Arbeitnehmer bei PIN, denen der gerechte Lohn vorenthalten wurde. Verlierer sind die Steuerzahler und Beitragszahler zur Sozialversicherung, die ein dubioses Geschäftsmodell finanzieren mussten. Verlierer ist die Kanzlerin und ihre Partei, die dieses schmutzige Spiel nicht durchschaut haben und eifrig die Stichworte von Thiel, Gerster und Döpfner nachgebetet haben. Verlierer ist die Pressefreiheit, weil sich die Journalisten von den Zeitungsverlegern vor diesen Karren haben spannen lassen.

Aber: alles kann gut werden:

Selbstkritisch sollten die Verleger und Journalisten Günter Thiel mit dem Schaumschläger-Preis 2007 auszeichnen.

Rolf Büttner


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