UNI Post & Logistics - global union

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Präsident der UNI Post & Logistics - global union

6. Januar 2010

Ermutigung für Bischöfin Käßmann

Sehr geehrte Frau Käßmann,

in den letzten Tagen stehen Sie wegen Ihrer Äußerungen zum Afghanistan Einsatz der Bundeswehr in der Kritik. Manchen missfällt Ihre Aussage " Auch nach den weitesten Maßstäben der EKD ist dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen." Mich erschreckt wie zum Teil in in einem unwürdigenden Stil über Sie öffentlich hergefallen wird.

Darum schreibe ich Ihnen. Sie stehen nicht allein! Sie haben Recht! Sie erheben zur rechten Zeit die Stimme und mahnen! Sie tun das auch für mich und ich ermutige Sie, dies weiter öffentlich zu tun.

Die Geschichte unseres Volkes hat uns das Krieg führen gründlich ausgetrieben. Das ist gut so.

Ich bin in Sorge: Die öffentliche Debatte soll folgende Richtung einschlagen: "Wir" müssen n dieser Situation zu "unseren Soldaten" stehen. "Wir" müssen endlich " unser schüchternes Verhältnis zu den Waffen überdenken. " "Unsere Soldaten sind vor Ort und müssen sich verteidigen", da haben "wir im fernen Deutschland ja keine Ahnung wie es im Kriegsgebiet zugeht ".So oder ähnlich hört man es.

Wenn die Debatte diese Richtung nimmt, verlieren wir unseren moralischen Kompass. Die Folge: Stück für Stück gehen Wertmaßstäbe verloren.Davor habe ich Angst.

Ich sage : Ja, wir müssen zu unseren Soldaten stehen...und deshalb müssen sie aus Afghanistan abgezogen werden. Und dies so schnell wie möglich. Dafür einzutreten ist positive patriotische Pflicht. Wenn es sein muss auch mit Protest auf der Straße , um sich Gehör zu verschaffen.

An der völkerrechtlichen Legitimität am Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan besteht kein Zweifel. Auch die Beschlüsse des Bundestages dazu sind rechtlich in Ordnung. Aber das enthebt uns nicht uns ständig zu prüfen: Tun wir auch politisch und moralisch das Richtige?

Erinnern wir uns: Demokratie, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit sollte der militärische Einsatz absichern. Davon ist überhaupt nicht mehr die Rede. Stattdessen lesen wir in der Zeitung, dass unter der Aufsicht der UNO die Präsidentenwahlen dreist gefälscht wurden. Die Fälschungen bei der Präsidentenwahl im Iran war dagegen ein Kavaliersdelikt, liest man erstaunt.

Fassungslos nehme ich Zeitungsberichte zur Kenntnis, dass unsere Steuer-Millionen zum gut gemeinten Aufbau des Landes in trüben Kanälen verschwinden.Verblüfft liest man, dass unter Präsident Karsai die Korruption blüht wie nie zuvor. Da wird es so toll getrieben, dass sogar UNO und Regierungen öffentlich massiv Kritik üben.

Es ist an der Zeit zu fragen: Ist es richtig ein System das auf Wahlfälschungen und Korruption beruht militärisch mit deutschen Soldaten "abzusichern"?Was sagen wir den Müttern, Ehefrauen, Kindern der Soldaten die im Sarg zurückkommen? Für welche Werte haben sie ihr Leben geopfert?

Politisch tun wir schon lange nicht mehr das Richtige.

Ich bin nicht naiv. Natürlich gibt es die Taliban. Natürlich wird dort mit Waffengewalt um Macht und Einfluss gekämpft. Sicher gibt es dort auch Terroristen . Ich habe auch aus den Zeitungsberichten gelernt, dass Taliban nicht gleich Taliban ist. Und ich glaube auch Medienberichten, dass die wirklichen Terror-Anstifter nicht mehr in Afghanistan sondern in Pakistan und sonst wo sind. Wie man liest ist unstrittig,dass das Terrornetzwerk mit Geld aus Saudi- Arabien finanziert wird. Doch die uns Regierenden haben keine Skrupel sich mit denen gemein zu machen.

Wie begründen wir diese Politik gegenüber den Finanziers des Terrors den Soldaten die verkrüppelt und traumatisiert aus Afghanistan zurückkehren?

Politisch tun wir nicht mehr das Richtige.

Dieses Bild haben uns die Regierenden noch bis vor wenigen Wochen vermittelt: Deutsche Soldaten beim friedlichen Brunnenbohren, beim Aufbau von Schulen, freudige Afghanen. Trotz Skepsis habe ich das den Medien abgenommen. Ich habe es mir vielleicht auch so gewünscht und es mir damit zu leicht gemacht. Spätestens als die uns Regierenden schwerbewacht und mediengerecht in der kugelsicheren Weste aus dem Hubschrauber kletterten, hätte ich kritischer werden sollen. Als die ersten Zeitungsberichte auftauchten, dass deutsche Soldaten nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben ihr Lager verlassen können, wäre mehr kritisches Nachfassen angesagt gewesen.

Das Bild, dass die uns Regierenden lange Zeit vermittelt haben, stimmt hinten und vorne nicht mehr. Diese Täuschung sitzt tief. Der Nebel über Afghanistan lichtet sich. Erst ist es kein Krieg, dann sind es kriegsähnliche Zustände. Jetzt sind wir im Krieg. Oder ist es wegen juristischer Spitzfindigkeiten doch kein Krieg ?

Seit dem Angriff auf die Tanklaster nahe Kundus ist klar . Deutschland führt Krieg. Oberst Klein hat es für uns alle in seinem Bericht -in der Zeitung nachzulesen- aufgeschrieben: .....Aufständische... " durch den Einsatz von Luftstreitkräften zu vernichten".

Mit Wut lese ich auf einem mal in meiner heimatlichen Zeitung, dass es seit Juli 2009 eine Taschenkarte für deutsche Soldaten gibt auf die sich der Oberst beruft. Zitat: ..." kann mit militärischer Gewalt gegen Personen vorgegangen werden,die Angriffe planen,vorbereiten,unterstützen oder sonstiges feindseliges Verhalten zeigen." Man braucht diesen Satz nicht drei oder vier mal lesen und interpretieren. Für jeden ist erkennbar: Damit ist alles möglich.Damit werden aber auch deutsche Soldaten in unser aller Namen immer tiefer in einen Sumpf hineingezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Um diesen Krieg als richtig und moralisch gerecht verkaufen zu können, muss gelogen werden. Das war jetzt der Fall, das wird künftig so weitergehen.

Ich bekenne: Nach Lektüre der ersten Meldungen habe ich geglaubt, dass es bei den Tanklastern nahe Kundus darum ging rollende Bomben unschädlich zu machen, weil Selbstmordkommandos jede Minute Zivilisten und Soldaten ins Jenseits befördern würden.So wurde das der Öffentlichkeit verkauft.

Dann wurde der Bericht der Internationalen Afghanistan Schutztruppe in meiner Zeitung zitiert. Danach gab es überhaupt keine Feindberührung zu deutschen Soldaten. Für das Bundeswehrlager drohte keine unmittelbare Gefahr. Fassungslos lese ich, dass die US-Piloten mehrfach angeboten haben die Zivilisten zu vertreiben. Der Oberst lehnte das ab. Meine Zeitung schreibt dazu: " Er ( der Oberst) wollte die Menschen angreifen und nicht die Fahrzeuge" ( Zitat aus dem ISAF-Bericht). Auf Kritik der Verbündeten weist unsere Kanzlerin schneidig Vorverurteilungen zurück und schweigt dann seit Monaten.

Wir tun moralisch nicht mehr das Richtige.

Die Lügen und das Vorgehen, das den deutschen Soldaten auf politischem Befehl abverlangt wird, ist nicht länger zu verantworten. In deutschem Namen wird gemäß Taschenkarte getötet. Wir sind nie befragt worden,ob wir das politisch und moralisch wollen ? Ich will das nicht !

Dieser Krieg ist auf Lügen aufgebaut. Auch darum darf er nicht geführt werden. Für Lügen dürfen deutsche Soldaten nicht sterben.Darum müssen wir uns auf die Seite der Soldaten stellen und sie wieder nach Hause holen.

Zu meiner Meinungsbildung haben nicht die Erklärungen der Regierenden beigetragen. Ich habe aufmerksam meine Tageszeitung gelesen. Ich kann vor der Geschichte nicht sagen " Ich habe nichts gewusst". Ihre Mahnung Frau Käßmann hat mich wachgerüttelt.

Es ist staatsbürgerliche Pflicht sich jetzt einzumischen. Die Debatte anzufachen. Wir als Bürger in deren Namen das alles geschieht sind gefordert. Unsere Regierenden haben sich verrannt. Unsere Bürgerpflicht ist, alles dafür zu tun, dass wir mit diesem Krieg nicht in den moralischen und politischen Abgrund gedrängt werden.


Sie, liebe Frau Käßmann haben Ihre Stimme erhoben . Dafür danke ich Ihnen. Sie haben mich angespornt Ihnen nachzueifern.

Mit freundlichem Gruß

Rolf Büttner


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