UNI Post & Logistics - global union

Offizielle Homepage von Rolf Büttner,
Präsident der UNI Post & Logistics - global union

UNI-E-Mail-Rundschreiben vom 1.11.2007

Leipzig - Gewerkschaften erörtern eine engere Zusammenarbeit im Logistikkonzern DHL

Gewerkschaften aus drei Kontinenten beschlossen auf einer Konferenz in Leipzig, Deutschland, bei der Organisierung von Angestellten des globalen Logistik-Großkonzerns DHL enger zusammenzuarbeiten.
Die DHL-Airport-Konferenz wurde von unserem deutschen Mitglied ver.di veranstaltet, unter Mitwirkung der UNI Global Union und der Internationalen Transportarbeiter-Föderation.
Die 40 Delegierten richteten einen dringenden Appell an die DHL-Muttergesellschaft, Deutsche Post World Net (DPWN), ein globales Abkommen zu unterzeichnen, um Gewerkschaftsrechte in den 220 Ländern, in denen DHL tätig ist, zu gewährleisten.
UNI Post-Welt-Vorsitzender Rolf Büttner sicherte auch die Unterstützung von ver.di bei der Wahrnehmung der Arbeitnehmerrechte in allen Teilen des Unternehmens zu.
DPWN belegt den 6. Rang in der Liste der globalen privaten Arbeitgeber, mit 500'000 Beschäftigten in der rasch expandierenden Logistikindustrie, deren Anteil an der zunehmend globalen Wirtschaft bis zu 10% erreicht.
UNI und die ITF haben bereits ein Integratoren-Netz zur Erleichterung der Koordination zwischen den Gewerkschaften in den diesen Sektor beherrschenden vier Konzernen DHL, FedEx, UPS und TNT eingerichtet und am 9. November den ersten weltweiten Aktionstag veranstaltet.

"Ihr seid nun Teil der Gewerkschaftsgeschichte", erklärte Rolf Büttner auf der Konferenz, die in der Nähe des neuen europäischen DHL-Hubs, der im Flughafen LEIPZIG-HALLE gebaut wird, stattfand.
ver.di vertritt bereits über 90% der Angestellten im Flughafen, der mehrere Tausend neue Arbeitsplätze (3'500 bei DHL) in einem der östlichen Landesteile schaffen soll, der nach dem Kollaps zahlreicher traditioneller Industrien (Braunkohlebergbau, Chemie, Elektrotechnik) im Zuge der Wiedervereinigung mit besonders hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert ist.
DHL investiert 500 Mio. Euro in den Bau des Hubs und verlagert Arbeit von Brüssel und Köln (wo Jobs gestrichen werden) nach Leipzig, während die Behörden bereits 300 Mio. Euro für die Entwicklung des Flughafens, einschließlich einer zweiten Start- und Landebahn, eingesetzt haben.
Ver.di und Deutsche Post führen in Deutschland seit Langem einen konstruktiven sozialen Dialog, mit Tarifverträgen und paritätisch besetzten Aufsichtsräten (gleiche Zahl von Arbeitnehmer-/Gewerkschafts-Vertretern und Aktionären).
UNI wird demnächst eine neue Gewerkschaft in HONGKONG lancieren, die DHL-Personal im Superhub Asien organisieren wird, und hat bereits ein Entwicklungs- und Organisierungsbüro (UNIdoc) eröffnet. Diese Initiative ist Teil des im Juli mit der Unterstützung von ver.di und der FES eingeleiten Projekts.
Die Teamsters und die Airline Pilots Association berichteten über ihre Organisierungs-Kampagnen im US Superhub in WILMINGTON, Ohio, bei DHL und ihren zahlreichen Vertragsfirmen, auch bei Airlines (ausländische Firmen haben zurzeit keine Erlaubnis, Fluggesellschaften in den USA zu kaufen, doch sollen die früheren "Open Skies"-Diskussionen mit der EU demnächst wieder aufgenommen werden).
"Der nächste Schritt ist die Verstärkung der Organisierung in den drei Superhubs", erklärte der stellvertretende UNI-Generalsekretär Philip Bowyer nach der Konferenz, "UNI hat ein Programm lanciert, um DHL-Mitarbeiter in Lateinamerika anzusprechen, während unsere Region Asien&Pazifik ihre Kampagne ausdehnt, so auch auf Singapur. Überall, wo DHL tätig ist, müssen wir eine globale Gewerkschaft aufbauen."

In seinem Briefing erwähnte DPWN-Arbeitsdirektor Walter Scheurle (selbst ein ver.di-Mitglied) den Verhaltenskodex des Unternehmens, mit dem es sich zu der Einhaltung der UN-Global Compact-Prinzipien und der IAO-Erklärung über Kernarbeitsnormen verpflichtet.
Er betonte jedoch, der Umgang mit Arbeitsbeziehungen bei DHL erfolge weitgehend dezentralisiert. Nach seiner Wortmeldung wurden Bedenken geäußert, dass die örtliche Unternehmensleitung eine negative Haltung gegenüber einer neuen Gewerkschaft in Hongkong einnehmen könnte und dass die Antigewerkschaftsstrategien in den Vereinigten Staaten, vor allem bei den Zulieferern, fortgeführt werden.
"Ein Verhaltenskodex ist sicher gut, ein internationales Abkommen mit Gewerkschaften aber besser, wenn es durch die Unterzeichnung für beide Seiten verbindlich ist", erklärte Rolf Büttner.
Auf den letzten UNI- und ITF-Weltkongressen war ein globales Abkommen mit DPWN bereits ein Thema, und eine entsprechende Forderung erging an das Unternehmen. "Ich hoffe, dass diese nicht ad acta gelegt wird", betonte er gegenüber W. Scheurle.
"Wir respektieren Arbeitnehmerrechte und akzeptieren, dass die Beschäftigten ihre Rechte wahrnehmen; wenn sie Vertrauensleute oder Vertreter wählen, werden wir diese achten und Beziehungen mit ihnen unterhalten", erklärte W. Scheurle auf der Konferenz.
"Wenn wir feststellen, dass Gewerkschaftsrechte verletzt werden, auch durch Vertragsfirmen, die diese Rechte missachten, werden Sie - dabei wandte er sich an W. Scheurle - nicht nur mit der betreffenden Gewerkschaft sondern auch mit ver.di Probleme haben", meinte Rolf und erhielt Applaus.
Er forderte zudem die oberste Konzernleitung auf, die Arbeitsbeziehungen zu einem zentralen Anliegen zu machen und eng mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten.
"Wir wollen, dass DHL erfolgreich ist, und wir wollen, dass die Deutsche Post erfolgreich ist. Wir setzen uns für hochwertige Dienstleistungen und Produkte ein, doch verlangen wir im Gegenzug gute Abkommen."
Stuart Howard von der ITF forderte gemeinsame Gespräche mit den großen Integratoren.

"Unser Ziel besteht darin, Löhne und Leistungen dem Wettbewerb zwischen Integratoren zu entziehen, wobei die Standards für alle Beschäftigten bei Systemdienstleistern angehoben werden müssen", erklärte Tim Beary, der Vertreter von Teamsters.
"Wir sind keine Insel sondern Teil des 'Deutsche Post World Net' und wir erhalten Unterstützung von Gewerkschaften in Deutschland und den Vereinigten Staaten", so Yu Loy Wong aus Hongkong.
Workshop-Gruppen schlugen vor, auch in diesem Jahr einen weltweiten Aktionstags bei den Integratoren zu organisieren und eine Internetplattform zu schaffen, um die Kommunikation zwischen den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften in diesem Unternehmen mit seinen 3'000 Standorten, einschließlich 1'400 Logistikzentren, Terminals und Lagerhäusern, zu verbessern.

Bei der Betrachtung der Rentabilitätskurve stellt man fest, dass die Deutsche Post seit 1990 eine schmerzliche Umstrukturierung vornimmt. Im Briefversand findet ein ständiger Arbeitsplatzabbau statt (die Zahl der Beschäftigten wurde halbiert und beträgt noch 155'000) und der Sektor steht vor neuen Gefahren, bedingt durch die Deregulierung und die Substituierung des Briefversands durch E-Mail.
Gleichzeitig hat das Unternehmen einen Privatisierungsprozess eingeleitet und im Verlauf von zehn Jahren 25 Mrd. Euro für den Kauf neuer Firmen ausgegeben, die seine Verwandlung in einen globalen Konzern ermöglichten, der im Postversand, der Logistik und im Express-Kurierdienst stark ist, jedoch auch im Bankgeschäft (die Deutsche Postbank ist die größte Privatkundenbank des Landes).
Die heutige Unternehmensstrategie des DPWN tendiert zur Konsolidierung, da der Konzern seine neuen Firmen übernimmt und integriert. Mit seinem First Choice-Programm stellt der Konzern die Qualität seiner Dienstleistungen in den Vordergrund.
Bei den vier Integratoren ist das globale Engagement von DHL am größten; das Unternehmen hat einen Anteil von 40% auf den stark wachsenden Märkten Chinas und Asiens, berichtete Dr. George Kerschbaumer, Zentralbereichsleiter Konzernentwicklung bei DPWN.
Er warnte vor der Konkurrenz durch private Postversandfirmen in Deutschland, die schlecht bezahlte "Mini-Jobs" schaffen und Sozialbeiträge umgehen.

Rolf Büttner, Tim Beaty and Michael Siu

Walter Scheurle and Philip Bowyer

verdi's youthful reps at DHL Leipzig

Hong Kong trade unionists at DHL conference

Saxony Governor Dr Georg Milbradt talks to verdi activists at DHL's Leipzig hub

DHL at Leipzig airport



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